Subkortikale Marklagerläsionen rechtzeitig erkennen

Subkortikale Marklagerläsionen rechtzeitig erkennen

Subkortikal ist eine Ortsangabe und heißt wörtlich unterhalb der Rinde. Subkortikale Marklagerläsionen sind also veränderte Stellen im Marklager, der Schicht unter der Hirnrinde, über die entfernte Hirnregionen Signale austauschen. Läsion ist in der Radiologie das Sammelwort für jede Stelle, die im Bild anders aussieht als das Gewebe ringsum. Woher eine solche Stelle kommt und wie groß sie ist, sagt das Wort selbst nicht.

Wenn du das Wort subkortikal in deinem MRT-Befund liest, klingt es wie eine Angabe dazu, wie schlimm es um das Gehirn steht. Das ist es nicht, denn zwei große, unabhängig voneinander durchgeführte Untersuchungen fanden keinen belegten Unterschied zwischen Veränderungen dicht an den Hirnkammern und solchen, die tiefer unter der Rinde liegen, weder beim Zusammenhang mit Gefäßrisikofaktoren noch bei der geistigen Leistungsfähigkeit. Die Lagebezeichnung beschreibt, wo etwas liegt, und nicht, wie ernst es ist. Was solche Veränderungen überhaupt sind, wie häufig sie mit den Jahren werden und was sie über das Demenzrisiko aussagen, liest du ausführlich auf der Seite zu Marklagergliosen; hier geht es um das eine Wort subkortikal.

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Was subkortikal im Befund bezeichnet

Hirnrinde und Marklager

Die Hirnrinde ist die äußere, nur wenige Millimeter dicke Schicht des Großhirns. Dort sitzen die Nervenzellkörper, weshalb dieser Bereich auch graue Substanz heißt. Darunter beginnt das Marklager, und dort liegen fast nur noch die langen Fortsätze dieser Zellen, also die Leitungen zwischen weit auseinanderliegenden Hirnregionen. Ihren zweiten Namen, weiße Substanz, verdankt die Schicht der fettreichen Isolierung um jede einzelne Faser, die das Gewebe hell erscheinen lässt. Alles, was subkortikal liegt, gehört damit zur Leitungsebene des Gehirns und nicht mehr zur Rinde.

Die Nachbarbegriffe aus demselben Satz

Im selben Befund tauchen meist noch andere Ortsangaben auf, und sie werden leicht verwechselt. Periventrikulär heißt rund um die Hirnkammern, also um die flüssigkeitsgefüllten Hohlräume in der Mitte des Gehirns. Juxtakortikal bedeutet unmittelbar an der Rinde, denn juxta heißt dicht daneben. Tief subkortikal oder schlicht tief beschreibt den Bereich dazwischen, mitten im Marklager, weder an den Kammern noch an der Rinde. In Berichten über Marklagerveränderungen wird subkortikal meist in genau diesem Sinn benutzt, also gleichbedeutend mit tief gelegen.

Alle diese Wörter sind Ortsangaben. Keines von ihnen ist eine Diagnose, und keines ist für sich genommen eine Stufe auf einer Schweregradskala.

Ob die Lage etwas über den Schweregrad aussagt

Was zwei große Untersuchungen zeigen

In einer US-amerikanischen Bevölkerungsstudie wurden bei 1.144 Menschen MRT-Aufnahmen des Kopfes ausgewertet. Verglichen wurden Veränderungen nahe den Hirnkammern mit solchen tiefer im Marklager, und zwar im Hinblick auf Alter, Gefäßrisikofaktoren wie Blutdruck und Blutzucker sowie die geistige Leistungsfähigkeit. Zwischen beiden Lagetypen zeigte sich dabei kein erkennbarer Unterschied.

Eine zweite Auswertung aus vier zusammengeführten Studiengruppen mit 1.220 Teilnehmenden, überwiegend aus Großbritannien und mit einem Durchschnittsalter von rund 69 Jahren, kam unabhängig davon zum selben Ergebnis. Bei gleicher Fazekas-Stufe, also bei gleicher grober Einstufung des Ausmaßes, unterschied sich die tatsächlich gemessene Menge an Veränderungen nicht danach, ob sie periventrikulär oder tief lagen. Zwei unabhängige Untersuchungen mit derselben Aussage sind ein solider Beleg dafür, dass die Ortsangabe kein eigener Schweregradmarker ist.

Was den Befund stattdessen einordnet

Aussagekräftiger ist das Ausmaß im Verhältnis zum Lebensalter. Dafür benutzen Radiolog:innen die vierstufige Fazekas-Skala, die beschreibt, ob einzelne punktförmige Herde zu sehen sind oder ob größere Bereiche ineinanderfließen. Was etwa Fazekas 2 bedeutet und wie häufig welcher Grad in welchem Alter vorkommt, findest du auf den jeweiligen Seiten. Dazu kommen die Frage nach tatsächlichen Beschwerden und der Vergleich mit früheren Aufnahmen.

Warum im Befund überhaupt steht, wo die Herde liegen

Die Begriffe stammen aus einem internationalen Konsenspapier, in dem sich Fachleute darauf geeinigt haben, wie sichtbare Veränderungen der kleinsten Blutgefäße im Gehirn einheitlich benannt und berichtet werden. Erklärtes Ziel dieser Vereinbarung ist die Vergleichbarkeit, und zwar in zwei Richtungen: zwischen einer aktuellen Aufnahme und den Voraufnahmen derselben Person, damit sich beurteilen lässt, ob etwas zugenommen hat oder stabil geblieben ist, und zwischen verschiedenen Praxen, Kliniken und Studien, damit dieselben Wörter überall dasselbe meinen.

Der zweite praktische Grund ist die Mustererkennung. Bestimmte Erkrankungen hinterlassen Herde an typischen Orten, andere an untypischen, und die Lage hilft deshalb bei der Frage, ob das Bild zu einer durchblutungsbedingten Veränderung passt oder zu etwas anderem. Für die allermeisten Befunde im höheren Lebensalter ist die Ortsangabe damit vor allem ein Werkzeug für den Verlauf, keine Einstufung des Risikos.

Warum das Wort manche an MS denken lässt

Die Ähnlichkeit von subkortikal und juxtakortikal führt regelmäßig zu Verunsicherung, weil juxtakortikale Herde in der Diagnostik der Multiplen Sklerose, kurz MS, tatsächlich eine besondere Rolle spielen. In den überarbeiteten Kriterien von 2024, an denen sich die MS-Diagnose international orientiert, zählt die Lage unmittelbar an der Hirnrinde zu fünf festgelegten Regionen. Die anderen vier sind der Bereich um die Hirnkammern, der Sehnerv, das Rückenmark sowie Hirnstamm und Kleinhirn. Sind Herde in mindestens vier dieser fünf Regionen nachweisbar, gilt eine der Voraussetzungen für die Diagnose als erfüllt.

Daraus folgt für einen einzelnen Befundsatz allerdings nichts. Die Kriterien greifen erst bei einem für MS typischen Herdmuster an mehreren dieser Orte, und sie gelten ausdrücklich nur zusammen mit der neurologischen Untersuchung und dem bisherigen Verlauf. Ein beiläufiger Befund mit dem Wort subkortikal erfüllt diese Bedingungen nicht und ist für sich genommen kein Hinweis auf eine MS. Woran sich durchblutungsbedingte Herde und MS-Herde im Bild unterscheiden lassen, ist auf der Seite zu den Marklagergliosen beschrieben.

Was subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie bedeutet

Wenn du dich in das Wort subkortikal einliest, begegnet dir früher oder später dieser Begriff, der auch Morbus Binswanger genannt wird und beim Lesen erst einmal erschreckt. Er setzt sich zusammen aus arteriosklerotisch, also durch verkalkte und verengte Blutgefäße bedingt, und Enzephalopathie, was allgemein eine Erkrankung des Gehirns bezeichnet. Gemeint ist damit keine Formulierung aus einem Bildbefund, sondern eine seltene, eigenständige Erkrankung, eine besondere Form der durch Durchblutungsstörungen bedingten Demenz.

Für diese Diagnose reicht ein Bild nicht aus. In einer Untersuchung an 62 und anschließend weiteren 43 Menschen mit gefäßbedingter Beeinträchtigung des Denkens ließ sich die Binswanger-Form erst durch das Zusammenspiel mehrerer Bausteine erkennen: ausgedehnte, großflächige Veränderungen im Marklager, Hinweise auf eine durchlässig gewordene Schranke zwischen Blut und Hirngewebe sowie messbare Einbußen beim planenden Denken. Kein einzelnes dieser Merkmale war für sich allein aussagekräftig, und gesichert wurde die Diagnose erst über einen längeren Beobachtungszeitraum. Dazu passt, dass die aktuelle Leitlinie die durch Durchblutungsstörungen bedingte Demenz insgesamt als klinische Diagnose beschreibt, die sich an Beschwerden festmacht und nicht an einer Aufnahme. Ein Befund mit subkortikalen Marklagerläsionen bei jemandem ohne solche Beschwerden ist etwas anderes als diese Erkrankung.

Was du aus der Ortsangabe mitnehmen kannst

Beim nächsten Termin liegt der praktische Wert des Wortes subkortikal vor allem darin, dass es einen Vergleich möglich macht. Zwei Fragen lohnen sich deshalb: ob eine ältere Aufnahme vorliegt, an der sich ablesen lässt, ob die Veränderungen zugenommen haben, und ob das Ausmaß zum Lebensalter passt oder darüber hinausgeht. Beeinflussen lässt sich ohnehin nicht der einzelne Herd, sondern die Gefäßrisikofaktoren dahinter, die du auf der Seite zu den Marklagergliosen im Einzelnen nachlesen kannst. Wo genau die Herde liegen, gehört dagegen nicht zu den Dingen, um die du dir nach diesem Befund Sorgen machen musst.

Quellen

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Pradeep A, Raghavan S, Przybelski SA, et al. Can white matter hyperintensities based Fazekas visual assessment scales inform about Alzheimer's disease pathology in the population? Alzheimers Res Ther. 2024;16(1):157. doi:10.1186/s13195-024-01525-5

Xu YY, Chappell FM, Valdés Hernández M, et al. Quantitative Relationship Between White Matter Hyperintensity Volume and Fazekas Score on Brain MRI. Stroke. 2026 (online vorab veröffentlicht). doi:10.1161/STROKEAHA.125.055101

Barkhof F, Reich DS, Oh J, et al. 2024 MAGNIMS-CMSC-NAIMS consensus recommendations on the use of MRI for the diagnosis of multiple sclerosis. Lancet Neurol. 2025;24(10):866-879. doi:10.1016/S1474-4422(25)00304-7

Barry Erhardt E, Pesko JC, Prestopnik J, Thompson J, Caprihan A, Rosenberg GA. Biomarkers identify the Binswanger type of vascular cognitive impairment. J Cereb Blood Flow Metab. 2019;39(8):1602-1612. doi:10.1177/0271678X18762655

Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde. Patientenleitlinie Demenzen. S3-Leitlinie, AWMF-Registernummer 038-013. Quelle

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Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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