Was ist eine Retentionszyste?
Eine Retentionszyste ist eine flüssigkeitsgefüllte Ausstülpung, die entsteht, wenn der Ausgang eines Drüsengangs verstopft ist. Das bedeutet: Ein Sekret, das eigentlich abfließen sollte – wie Schleim, Talg oder Speichel – kann sich nicht mehr entleeren und staut sich im Drüsengang. Mit der Zeit sammelt sich immer mehr Flüssigkeit an, bis sich eine kleine, abgekapselte Blase bildet.
Diese Art von Zyste kann prinzipiell überall im Körper auftreten – überall dort, wo es Drüsen gibt. Häufig findet man sie in der Mundschleimhaut, in der Kieferhöhle, in der Nase oder auch an den Stimmbändern, in der Brustdrüse oder im Genitalbereich.
Wie entsteht eine Retentionszyste?
Im Inneren unseres Körpers arbeiten viele Drüsen wie kleine Transportbänder: Sie produzieren Flüssigkeiten, die über schmale Ausführungsgänge nach außen geleitet werden. Wird ein solcher Gang durch Entzündungen, Schleim, kleine Verletzungen oder Schwellungen blockiert, kann sich die Flüssigkeit aufstauen.
Der Körper bildet dann eine Art Schutzreaktion: Das gestaute Sekret wird von einer dünnen Wand umgeben, damit es sich nicht ins umliegende Gewebe verteilt. So entsteht die typische Form einer Zyste – rundlich, abgegrenzt und meist weich.
Welche Beschwerden verursacht sie?
In vielen Fällen bleibt eine Retentionszyste unbemerkt, weil sie keine Beschwerden macht. Manche werden sogar nur zufällig bei einer Bildgebung entdeckt – zum Beispiel im Rahmen eines CTs der Nasennebenhöhlen oder beim Zahnarzt auf dem Röntgenbild.
Wird die Zyste jedoch größer oder befindet sich an einer ungünstigen Stelle, können unangenehme Symptome auftreten. In der Kieferhöhle etwa kann sie ein Druckgefühl auslösen, Kopfschmerzen verursachen oder das Atmen durch die Nase erschweren. Im Mund kann eine Retentionszyste an der Lippe als kleine, durchsichtige Blase auffallen, die stört oder beim Essen platzen kann.
Auch in der Brustdrüse spüren manche Betroffene Knoten oder Spannungsgefühle, wenn sich dort eine Retentionszyste bildet.
Wie stellt man die Diagnose?
Die Diagnose erfolgt meist über eine klinische Untersuchung durch Ärztinnen oder Zahnärzte. Je nach Lage kommen unterschiedliche Bildgebungsverfahren zum Einsatz. In der Kieferhöhle oder im Nasenraum kann ein CT oder ein MRT helfen, die Zyste von anderen Veränderungen abzugrenzen. Im Bereich der Brust wird oft ein Ultraschall verwendet.
Wichtig ist es, die Retentionszyste von anderen Zystenarten oder gutartigen Tumoren zu unterscheiden. In der Regel sind Retentionszysten völlig harmlos und verursachen keine bleibenden Schäden.
Muss eine Retentionszyste behandelt werden?
Ob eine Behandlung nötig ist, hängt von der Größe, der Lage und den Beschwerden ab. Zysten, die keine Symptome machen, müssen oft gar nicht entfernt werden. Viele bleiben jahrelang stabil oder verschwinden sogar von selbst, wenn der Abflussgang sich wieder öffnet.
Kommt es jedoch zu Beschwerden oder stört die Zyste beim Sprechen, Schlucken oder Atmen, kann eine operative Entfernung sinnvoll sein. Der Eingriff erfolgt meist ambulant und ist in den meisten Fällen unkompliziert. Auch bei wiederkehrenden Zysten wird oft zur chirurgischen Entfernung geraten, um eine dauerhafte Lösung zu schaffen.